Meine Geschichte

Geboren wurde ich 1979 als Kind von Dietmar und Birgit. Der Vater ist Sohn schlesischer Vertriebener und das 11. Kind der Familie. Die Mutter Tochter einer Chemieindustriearbeiterin der Nachkriegszeit. Meine Kindheit verbrachte ich in einem sozialistischen Staat. Ich kenne Pionierappelle, war stolz auf mein blaues Halstuch und habe meinen Eid auf die DDR geschworen. Ich war ein ruhiges Kind, angepasst, still, unauffällig. Perfekt.
 
Leistungssport war weit verbreitet. Die Kinder wurden systematisch auf ihre sportlich Eignung durchkämmt. Auch ich durfte bereits im Vorschulalter mehrmals die Woche die Nachmittage in Turnhallen verbringen. Rhythmische Sportgymnastik. Mit Ball, Band, Keulen, Reifen und Seil trainierte ich fleißig und ehrgeizig. Mein Lieblingshandgerät war das Band. In kleinen Wettkämpfen maßen wir uns untereinander. Gute Leistungen wurden gefordert. Ich liebte den Sport.
 
Umso schwieriger fiel es mir, als ich im Alter von 7 Jahren ausgemustert wurde. Rundrücken und Hüftschiefstand war die Begründung. „Für den Leistungssport ungeeignet.“ Meine Wut auf meinen Körper schlug irgendwann in Resignation um. Ist es halt so, kann man nichts machen. Mein Körper war lange mein Hindernis, ungeliebt, fehlerhaft, kaputt.  Es hat sehr viel Zeit gebraucht, bis ich das Vertrauen in meinen Körper wieder gefunden hatte und eine gute Beziehung zu ihm aufbauen konnte.
 
Was emotional schwierig war hatte auch seine gute Seite. Den Rest meiner Kindheit konnte ich wieder ohne intensive Trainings, ohne Wettkämpfe und Leistungsdruck, ohne Tanz aber mit Freunden genießen oder mich anderen kreativen und sportlichen Herausforderungen stellen. Handarbeiten, Kunst und Kultur fesselten mich in meiner Jugend. Und die Liebe zur Natur.
 
Nach dem Abitur fiel mir die Entscheidung über meinen Werdegang nicht einfach. Vom Lernen hatte ich genug. Die Geschichte  brachte Veränderungen und ich lebte zwischenzeitlich in einem anderen politischen System. Individualismus war gefragt. Was will ich? Wie gerne wäre ich meinem Künstlerherz gefolgt, aber… Ich entschied mich für den sichereren Weg. Ich lernte Patentanwaltsfachangestellte in München, einen Beruf, der keiner körperlichen Anstrengung bedarf und somit hervorragend für meinen kaputten Körper geeignet ist. Und ich erfüllte mir den Traum vom eigenen Pferd.
 
Doch es fehlte etwas. Ich fühlte mich unvollständig, eingeschränkt. Mein Leben machte keinen Sinn mehr und ich hab ganz stark am mir gezweifelt. Ich begab mich auf die Suche nach dem Teil der fehlte. Angstzustände begleiteten mich damals sehr häufig. Ich lernte diverse Entspannungsmethoden, wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Ich kann mich noch an meine erste Feldenkraisstunde (Feldenkrais-Methode) erinnern. In der Reithalle auf der Plastikplane.  Zwischen Weinen und Fluchen. Ich hab den Sinn nicht verstanden, war aufgewühlt. Ich soll meinen Körper spüren? Langsam? Kleine Bewegungen? Kein „Richtig“ und kein „Falsch“, kein üben, kein leisten, keine Belohnung? Nur Wahrnehmen und Spüren? Das ist nicht meins. Ich weiß das noch als wäre es gerade eben gewesen. Das war so schrecklich für mich.  Und es war schwer.  Gut dass meine Intuition es besser wusste und gut, dass mein Verstand auf sie gehört hat. Alles was „schwer“ ist, hat das größte Entwicklungspotential und lohnt sich anzuschauen. Ich blieb dabei. Viele, viele Jahre. Mit der Körperarbeit und mit Feldenkrais hatte ich meine Methode gefunden, mich zu erden und zu spüren und lernte allmählich meinen Körper wieder schätzen und lieben. Ich konnte mich das erste Mal in meinem Leben wirklich entspannen und loslassen. Mit der Körperarbeit den Affen im Kopf besänftigen.
 
Dann kam eine Zeit des Experimentierens. Neuer Mut, im Beruf gefestigt und ein wiedergefundenes Körpergefühl – ich wollte mich entwickeln. Ich wollte meinem Leben einen Sinn geben. Und ich wollte mich nicht mehr von den „in die Wiege gelegten“ Gegebenheiten einschränken lassen. München und die Traumfabrik in Regensburg gaben mir ein großes Spielfeld. Ich habe alles Mögliche aus Tanz, Improvisation, Theater, Körperarbeit, Herzensbildung ausprobiert. Beispiele hab ich unter Lehrer und Wegbegleiter aufgeführt.
 
2012 bin ich zu meinem Lebensgefährten an den Bodensee gezogen. Die Schönheit der Natur, der Landschaft und der Blick auf den See in allen Fassetten des Lichts zu allen Jahreszeiten inspirieren mich immer wieder neu. Ein Gefühl von Freiheit. Raus aus der Stadt. Atmen. Eine Heimat, Freiheit und Raum. 
 
Der Wunsch, eine Familie zu gründen, wurde uns leider nicht gewährt. Ich lernte auch Schmerz und Trauer willkommen zu heißen. Lass gehen was gehen will und kommen was kommen will. Ich hatte das Bedürfnis mich nach innen zu wenden, zu einem Teil, der mir bis dahin nicht wirklich bekannt war: das Weib, die Frau, die Mutter. Ich fand COCO Berlins Essence of Bellydance Videos auf Youtube und fühlte mich in ihren Beschreibungen und ihrer Art zu erklären sofort daheim. Das war Feldenkrais pur, Körperarbeit, Arbeit mit Bildern und auch mein Beckenbodenwissen passte zu dem was COCOs Methode vermittelt. Außerdem sanft, mit Wert auf das Wohlbefinden. Kein Leistungsdruck. Es berührte mich. In einer schweren Zeit wieder zurück in den Körper, zurück zu mir selbst zu kommen. Und den Affen im Hirn nicht zu viel Zucker zu geben. Ich trainierte anfangs allein rein von den Videos die Technik und war fasziniert wie schnell ich mit Hilfe meines Körperwissens neue Bewegungen lernen konnte.
 
Allein die Technik trainieren reichte mir nicht mehr. Ich bin zu Malaica (DE) in den Gruppenunterricht gewechselt. Ich lernte die Gemeinschaft der Frauen zu schätzen und durch das Selbstgestalten von Kostümen entdeckte ich auch meine Liebe und Gabe zum Nähen und Designen wieder. Und zum Fotografieren, modeln … Ein Offenbarung. Die Kreativität kam zurück in mein Leben. Mit dem Erlernen der Choreografien kam ich oft nicht recht hinterher. Ich war mit 35 Jahren eine der Älteren, mein Körper war untrainiert, und vom vielen Sitzen an vielen Stellen verkürzt. Meine Wirbelsäule und Hüfte machten immer wieder Probleme. Alte Bewegungsmuster lassen sich nicht (so leicht) ablegen. Die Kraft baute sich nur sehr langsam auf und die Schmerzen nur langsam ab. Ich entdeckte die Fusion von orientalischem Tanz mit Contemporary Dance für mich und damit auch endlich das Ausdrücken von Emotionen im orientalischen Tanz.
 
Mein Beruf bot mir schon eine ganze Weile keine Perspektiven mehr. Dann kam so ein Tag im April 2016, die nötige „Mut“wut im Bauch ein bisschen „Größenwahn“ und ein Anruf bei COCO. Ich will die Ausbildung zum Essence of Bellydance Teacher absolvieren. Ich will Körperarbeit und Tanzen verbinden, ich will richtig in das Thema einsteigen, intensiver trainieren, mich ganz mit meinem Körper verbinden. Ein paar Wochen später ging es los. Ich ließ mich auf viele neue Entwicklungen ein. Die andere Seite im „Klassenzimmer“ einnehmen und ausfüllen. Schnell in der Ausbildung war klar, dass Unterrichten „mein Ding“ ist. Wenn ich jemandem eine Bewegung erklärte, fing ich an zu grinsen und zu strahlen und kam in einen Fluss den ich vorher so nicht kannte. Bekannte, die ich während der Lehrzeit unterrichtete, erkannten mich nicht wieder. Ich hatte eine Aufgabe gefunden.
 
Seit 2017 unterrichte ich Essence of Bellydance in Wangen im Allgäu an der Volkshochschule und entwickle meinen eigenen Unterrichtsstil kontinuierlich.
 
Ein Yogastudio bietet mir die Möglichkeit, meine eigenen Stunden anzubieten.
 
Die Körperarbeit ist weiterhin fester Bestandteil meines Trainings. Immer wieder erinnert mich mein Körper an das Reinspüren, Loslassen, Fallenlassen, Entspannen. Reines Tanztraining ist nicht alles. Ich habe Kraft- und Ausdauertraining für mich entdeckt. Das Ausdauertraining ist hervorragend geeignet, um nach der „kopflastigen“ Arbeit, den Körper in Schwung zu bekommen und überschüssige Stresshormone abzubauen. Danach ist der Kopf wieder frei für ein feines Technik oder Krafttraining.
Das Thema die „Frau sein“ und was es bedeutet in einer männergeprägten Gesellschaft Frau zu sein beschäftigt mich weiterhin. Da bietet der traditionelle ägyptische Tanz ein breites Feld an Spielmöglichkeiten. Ich habe mir den Baladi ausgesucht: improvisiert, weich, erdig, emotional, selbstbewusst, verspielt, kommunikativ. Mit Nabila (AT) arbeite ich am Baladi  und am Ausdruck im Tanz. Ich plane eine Fortbildung zum Thema Choreografie und Improvisation mit Raksan. Vielleicht bringt das neue Jahr eine Studienreise nach Ägypten mit Livemusik. Es würde mich freuen.   
 

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